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Die Ungleichheit bleibt ihrer Rolle treu

Von Farkhondeh Ehtessabian

Freitag 26. September 2008


Übersetzung von: Shahram Najafi

Es ist gegen acht Uhr abends, während ich in der Schlange an der Station auf den Bus warte. Die heißen Temperaturen Anfang September sind auch um diese Uhrzeit nicht auszuhalten. Ich kaufe eine Flasche kaltes Wasser vom Händler hinter der Station und kehre wieder zurück zur Schlange. Eine große schlanke Frau, die müde von der alltäglichen Arbeit, oder vielleicht vom Alltag selbst müde ist, fällt mir auf. Ich biete ihr Wasser an. Wir kommen ins Gespräch, und ich erzähle ihr von der Kampagne und ihren Zielen. Sie ist eine gebildete, moderne Frau, scheint aber physisch und psychisch niedergeschlagen. Der Bus kommt an, und da wir glücklicherweise am Anfang der Schlange stehen, finden wir hinten im Bus zwei Plätze nebeneinander. Neugierig liest sie im Schutz der Dunkelheit im Bus das Manifest und unterschreibt. Trotz ihrer anfänglich freudlosen Erscheinung hat sie große Lust auf ein Gespräch, als ob sie lange nach einer Gesprächspartnerin gesucht hätte. Lieber sogar nach einer Fremden. Nach und nach erzählt sie mir mehr von ihrem Leben:

„Von meinem liebenswürdigen ersten Ehemann habe ich einen Sohn. Mein Sohn war noch klein, als er starb. Da ich aber eine gute Arbeit in einer angesehenen Firma hatte, und dadurch ein ausreichendes Einkommen, entschied ich mich dafür, das Kind allein großzuziehen. Ich wollte nicht wieder heiraten; aber offenbar hatte das Leben anderes mit mir vor. Der Mann, der vor meiner Heirat um meine Hand angehalten hatte, trat, durch die familiären Beziehungen begünstigt, wieder in mein Leben ein. Ein Jahr lang habe ich mit mir gehadert und mit meinen Bekannten gestritten. Dennoch musste ich die Abwehr aufgeben und diese Verbindung eingehen. Ich erwähnte bereits, dass ich vorher alles besaß. Letztlich trat mein zweiter Ehemann in mein Leben ein. Von ihm habe ich meinen zweiten Sohn. Ich war so sehr in diesem Leben versunken, dass mir gar nicht auffiel, wie ich mein Leben und mein Vermögen für ihn opferte. Es fiel mir auch nicht auf, wie mein Ehemann mein Wohlwollen ausnutzte. In all den Jahren finanzierte ich mit meinem Einkommen den gesamten Haushalt, wohingegen er mit seinem Häuser kaufte, die er vermietete. Das aber ist nur ein Teil der Geschichte. Am schlimmsten ist, dass ich seine gesamte Anwesenheit nicht mehr ertrage.“

Ich frage, warum sie denn bis zu dieser späten Stunde arbeite und sich so verausgabe?

„Weil das Haus, das ich mit soviel Liebe eingerichtet habe, zu meiner Hölle geworden ist und sogar diese wenigen Stunden dort nicht auszuhalten sind“, antwortet sie.

„Nichts, außer das Haus, das ich vor der Hochzeit besaß, kann ich noch mein nennen. Wie kann ich jetzt in meinem Alter, ohne eigenes Kapital, von Scheidung sprechen? Welches Recht könnte ich einfordern? Als Frau und Mutter muss ich einiges aushalten, damit das Gemüt meiner Kinder, die zwei verschiedene Väter haben, nicht darunter leidet. Fraglich, ob sich der Vater auch solche Gedanken macht.“

Der Bus nähert sich dem Vanak-Platz. Sie steigt vor der letzten Station aus. Ich gebe ihr die Internetseite von ‚Wandel für Gleichheit’ und bitte sie, die Seite unbedingt zu besuchen. Ich wünsche ihr Gesundheit, bevor sie aussteigt.

Ich sage zu mir, so also ist das Leben einer gebildeten, arbeitenden und gut verdienenden Frau. Auf diese Weise bleibt die Ungleichheit immer wieder ihrer Rolle im Leben unserer Frauen treu.

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